"Mein schmerzhaft schönes Trotzdem" von Barbara Vorsamer – Rezension

"Mein schmerzhaft schönes Trotzdem" von Barbara Vorsamer – Rezension

Um es vorweg zu nehmen: „Mein schmerzhaft schönes Trotzdem“ ist das beste Buch, das ich bisher zum Thema Depressionen gelesen habe. Lest es! Unbedingt!

Klar, ehrlich, persönlich, informativ

Barbara Vorsamer, Redakteurin bei der Süddeutschen Zeitung, schreibt in diesem Buch über ihre jahrelange Depression. Darüber, wie sie sich anfühlt, was man dagegen tun kann und wie sie gelernt hat, mir ihr zu leben.  Und das tut sie auf so klare, ehrliche Weise, persönlich, wertschätzend, ohne in Selbstmitleid abzugleiten, dass es nicht nur sehr angenehm zu lesen ist, sondern auch tröstend.

Psychische Krankheiten und negative Gefühle sind oft bis zur Unkenntlichkeit ineinander verwurstelt.

Mein schmerzhaft schönes Trotzdem, S.39

Sie verzahnt eine Menge Sachinformationen mit ihrer eigenen Lebens- und Leidensgeschichte, weist auf Missstände hin und reflektiert eigene Entscheidungen klug und nachvollziehbar. Als Leser*in kann man ihren Weg mitgehen und die Erkenntnisse, die sie am Ende jedes Kapitels nochmal klar benennt, mit ihr gemeinsam gewinnen.

Denn das Gegenteil von „depressiv sein“ ist nicht unbedingt „das Leben genießen“. Das Gegenteil von „depressiv sein“ ist „das Leben spüren“.

Mein schmerzhaft schönes Trotzdem, S.104f

Ein Buch, das hilft, Depressionen zu verstehen

Es gelingt ihr dabei die Balance zu halten, zwischen teils heftigen und traumatischen Themen, von Tod, Verlust und Suizidgedanken, und mutmachenden Gedanken. Sie macht ganz deutlich, dass Depressionen (einschließlich der Wochenbettdepression!) eine Krankheit sind, die man behandeln, wenn auch nicht immer vollständig heilen kann. Eine Krankheit, mit der man zu leben lernen kann und die kein Tabu mehr sein darf. Sie nimmt medikamentöser Behandlung und stationären Aufenthalten den Schrecken und hat mir als ebenfalls Betroffene oft aus der Seele gesprochen.

Muttersein in Patriarchat und Kapitalismus ist nun mal eine Quadratur des Kreises – gar nicht wirklich möglich. Es ist daher vollkommen okay, es nicht immer so hinzukriegen, wie man gerne möchte. Manchmal braucht man Tabletten, wenn es einem schlecht geht, manchmal Therapie. Manchmal muss man aber auch ausschlafen und dann eine Revolution anzetteln.

Mein schmerzhaft schönes Trotzdem, S.158f

Ich kann mir vorstellen, dass es anderen Betroffenen auch so geht. Dass dieses Buch Mut machen kann, wenn sie erst beginnen, sich mit ihrer Erkrankung auseinanderzusetzen. Aber auch, wenn sie schon länger damit kämpfen.  Gleichzeitig kann es Angehörigen helfen, zu verstehen, was mit einem Menschen passiert, wenn er eine Depression hat. Wie es in ihm oder ihr aussieht. Und dass ein Mensch mehr ist, als seine Depression.

Unterm Strich sind wir nach wie vor keine übertherapierte, sondern eine untertherapierte Gesellschaft- trotz der deutlichen Zunahme an Diagnosen.

Mein schmerzhaft schönes Trotzdem, S.212

Danke, für dieses tolle und wichtige Buch!

Danke an dtv für das Rezensionsexemplar.

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