Krieg, Krise, Kopfweh

Krieg, Krise, Kopfweh

Eigentlich wollte ich heute eine Buchbesprechung schreiben… aber dafür ist einfach zu viel los und es passt grad überhaupt nicht. Das muss also warten. Stattdessen möchte ich meine Gedanken zur aktuellen Situation mit euch teilen und euch vielleicht auch noch ein paar Impulse an die Hand geben, wie ihr damit umgehen könnt, wenn euch Krieg und Krise Kopfweh bereiten.

Wenn man sich aktuell so in der Welt umschaut, könnte man den Eindruck gewinnen, wir hätten den Katastrophenjackpot gewonnen – wobei meine Geschichtskenntnisse nicht ausreichen, um irgendwelche Vergleiche zu anderen Zeitperioden anzustellen. Die grobe Übersicht stellt sich aber irgendwie so dar: Klimakatastrophe (und ihre immer spürbareren Auswirkungen), globale Pandemie, Krieg. Ich hab sicher einige Schrecken vergessen, das sind so die Top 3, die mich aktuell beschäftigen. Nervliches Dauerfeuer. Und das neben den kleinen und größeren Herausforderungen meines Berufs als Familienbegleiterin und in meiner Rolle an Mama.

Was also tun? Kopf in den Sand? Geht nicht – es ist überall und wenn man die Augen davor verschließt, meldet sich halt das schlechte Gewissen. Irgendwas ist ja immer. Dann also dauernd Nachrichten schauen und mitleiden? Stichwort: #doomscrolling? Geht auch nicht, kostet Energie, die man eh nicht hat, raubt Schlaf, den man dringend braucht, verhagelt die Stimmung, was dann wieder Kind und Kinder spüren. Ist übrigens auch echt ungesund… Was dann? Drüber reden? Wie und mit wem? Helfen? Beten?

Durchstehen

Wir alle haben unterschiedliche Ressourcen, bringen einen anderen Zugang zur jeweiligen Thematik mit und sind unterschiedlich belastbar. Vielleicht sieht es in deinem Mikrokosmos (Familie, Beruf, Freundeskreis etc.) grad ganz ok aus, dann hast du den Kopf dafür, dich mit einer großen Krise zu beschäftigen. Vielleicht kannst du spenden, Hilfsgüter sammeln, Unterkünfte organisieren, in deiner Wohngemeinde die Umweltbilanz mit Vorschlägen und Initiativen verbessern oder euren Familienalltag auf nachhaltig umstellen. Ganz allein die Welt retten, darf dabei nicht dein Anspruch sein, denn diese Aufgabe ist viel zu groß für nur einen Menschen. Vielen kleine Beiträge ergeben jedoch auch ein Ganzes 🙂

Vielleicht ist dein Mikrokosmos aber auch im Moment weit entfernt von „ganz ok“ – egal aus welchem Grund. Dann ist es ebenso vollkommen in Ordnung, wenn du dich nur auf deine/eure kleine Welt konzentrierst und in dieser dein Bestes gibst. Du darfst auf dich und die Deinen schauen und euch vor den belastenden Einflüssen von außen schützen. Ich, zum Beispiel, schaue mir keine Nachrichten an, ich höre sie nur 1-2 Mal pro Tag im Radio. So ehrlich muss ich sein: Die Bilder belasten mich zu sehr. Daher informiere ich mich in Maßen, entweder über Artikel oder den Rundfunk. Und dann auch nur, wenn mein Kind nicht in der Nähe ist.

Geistig gesund bleiben

Den Medienkonsum zu minimieren oder entsprechend an die eigenen Belastungsgrenzen anzupassen, ist nur eine Möglichkeit, auf die persönliche und familiäre mentale Gesundheit zu achten. Weitere Ideen, von denen du gerne mitnehmen darfst, was für dich passt, sind folgende:

  • einen sicheren Raum schaffen, irgendwo, wo die Krisen draußen bleiben müssen
  • Außenweltpausen, bewusstes Abschalten der Medien, bewusste Zeit als Familie
  • Medien in schriftlicher Form konsumieren
  • Medienpausen einlegen
  • Den Blick vom Negativen zum Positiven lenken, aus dem Gedankenkarussell aussteigen
  • Stets erinnern: Krisen haben immer ein Ablaufdatum
  • gezielt Entspannungsmomente in den Alltag einbauen
  • Sorgen und Ängste zulassen, ohne sich von ihnen kontrollieren zu lassen
  • Sich gezielt an bereits überstandene Krisen und Herausforderungen erinnern
  • auf die eigenen Bedürfnisse und Grenzen achten
  • sich gegenseitig in der Familie stärken, die positiven Seiten der anderen hervorheben

Hilflosigkeit vermeiden

Ein Gefühl, dass uns alle fertig macht, ist Hilflosigkeit. Das Gefühl, nichts ändern und nichts tun zu können, ist Gift für unser Selbstverständnis. Dieses Gefühl wollen wir alle gern vermeiden. Sehen wir uns aber mit großen Krisen konfrontiert, fühlen wir uns schnell machtlos, immerhin entziehen sich Pandemien und Krieg unserem Einfluss. Da die Erfahrung, etwas bewirken zu können, wichtig für die geistige Gesundheit ist, habe ich einige Ideen und Gedanken mitgebracht, wie du dir das gerade jetzt erhalten kannst:

  • Spenden (Geldspenden, Sachspenden, Hilfsmittel, Medikamente – eine kleine Übersicht: MDR)
  • demonstrieren, politisch aktiv sein (Abgeordneten schreiben oÄ.)
  • Notfallplan erstellen und vorbereiten (Notfallgepäck packen oder Vorräte lagern) – das hilft, gedanklich über den Punkt „was wäre wenn“ hinauszukommen und nicht in diesem Strudel gefangen zu bleiben. Das Rote Kreuz hat einige Checklisten für die Katastrophenvorsorge
  • Erfolge im kleinen Kreis (Familie, Freundeskreis usw.) erkennen und beachten
  • Hilfe im direkten sozialen Umfeld anbieten (auch unabhängig von Krieg und Pandemie)
  • vorbereitet in das Gespräch mit Kindern gehen (dazu mehr: Mit Kindern über Krieg sprechen – KiKa)
  • konzentriere dich darauf, dass du dazu beiträgst, eine neue Generation großzuziehen: umweltbewusster, nachhaltiger, friedlicher, emphatischer, sozial kompetenter.
  • Hol dir oder euch Hilfe, wenn du merkst, es belastet dich oder ein Familienmitglied zu sehr, was aktuell geschieht. Vielleicht findest du auf unsere Hilfeseite eine passende Anlaufstelle. Für Kinder und Jugendliche ist die Nummer gegen Kummer (116 111) eine mögliches Beratungsangebot (unter anderem).

Was hilft dir, diese Zeiten durchzustehen?

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