Mit unerwünschter Hilfe umgehen

Mit unerwünschter Hilfe umgehen

Manchmal will dir jemand helfen – du möchtest das aber aus verschiedenen Gründen nicht. Vielleicht ist es der falsche Zeitpunkt für Hilfe, das falsche Angebot oder eine Person, die du im Moment nicht um dich haben möchtest. Vielleicht brauchst du gerade auch einfach Ruhe und Zeit für dich. Es gibt viele Gründe, warum Helfer*innen gar nicht hilfreich sind, dich vielleicht sogar stressen und die Situation verschlimmern – glücklicherweise ist das aber selten der Fall! Falls es dir doch einmal so geht, haben wir hier einige Tipps für dich, wie du in solchen Situationen deine Grenzen wahren kannst:

Überengagierte Helfer*innen

Hallo, ich dachte, ich komme mal vorbei und schaue, wo ich dich unterstützen kann!“ So steht die Freundin/der Nachbarin/ die Schwiegermama vor der Tür. Dabei hattest du heute einen ruhigen Tag im Schlafanzug geplant. Oder bereits eine Kinderbetreuung organisiert, um etwas für dich zu tun. Oder dir ist gerade nicht nach Gesellschaft. Helfer*innen, die unangekündigt vorbeikommen, die ständig auf der Matte stehen, sich immer wieder aufdrängen oder sich massiv in dein Leben einmischen (zum Beispiel durch ungebetene Erziehungsratschläge) musst du in ihre Schranken weisen.

Lass dich möglichst nicht auf lange, kräftezehrende Diskussionen ein. Vielleicht kommt jemand tatsächlich nicht wieder. Aber die meisten werden sich gerne darauf einlassen, wenn sie merken, dass ihr Engagement im Grunde wertgeschätzt wird. Sie haben ihre Aufdringlichkeit vielleicht gar nicht bemerkt.

Überforderte Helfer*innen

Mit den reinen Aufgaben sind deine Helfer*innen wahrscheinlich selten überfordert. Etwas zu essen vorbeibringen, bei den Einkäufen helfen, den Hund ausführen – das alles erfordert keinen Abschluss in Raketenwissenschaft. Bis auf die Betreuung der Kinder bekommen das die meisten ohne große Probleme hin. Und auch das ist in die richtigen Hände gelegt keine Anstrengung, sondern macht den Helfenden in der Regel sogar Freude.  Was aber zu viel werden kann, ist die Situation, sind die Gefühle, die Stimmung. Vielleicht geht es dir richtig schlecht, dein Baby ist ein Schreibaby oder das Kindergartenkind gerade besonders gefühlsbetont. Jemand in der Familie ist krank oder eure wirtschaftliche Lage gerade belastend.

Das ist nicht nur für dich anstrengend, sondern auch für alle, die euch helfen wollen. Manchen Menschen ist das zu viel, sie werden vielleicht an eigene Sorgen erinnert oder in Situationen zurückgeworfen, die für sie sehr schwierig waren. Das ist kein Problem, wird aber eines, wenn sie dennoch deine Bitte nicht abschlagen wollen. Aus Pflichtbewusstsein, Mitgefühl oder anderen Beweggründen. Überforderte Helfer sind eine zusätzliche Belastung.

Überarbeitete Helfer*innen

Achtet außerdem gemeinsam darauf, dass die Helfer*innen nicht zu viele Aufgaben übernehmen Denn auch sie haben begrenzte zeitliche und energetische Ressourcen. Jeden Tag eure Familie zu bekochen, jeden Tag die Kinderbetreuung übernehmen, dir täglich Gesellschaft leisten – das ist möglich, muss aber vorher klar besprochen werden. Je genauer, desto besser, damit keine Missverständnisse entstehen.

Deshalb ist es auch sinnvoll, sich ein Netz zu spannen, das mehr als ein oder zwei Leute umfasst. Nicht nur, damit zum Beispiel im Krankheitsfall jemand einspringen kann, sondern auch, um die Last auf viele Schultern zu verteilen. Denn was dir zu viel wird, kann auch anderen zu viel werden. Logisch. Wenn beispielsweise dein*e Partner*in plötzlich die gesamte Hausarbeit übernimmt und ihm*ihr dabei jegliche Freizeit wegfällt, ist das nicht in eurem Sinne!

Erwartungsvolle Helfer*innen

Eine (Hilfe-)Leistung  erfordert nicht immer eine direkte Gegenleistung. Das weißt du. Aber nicht alle Helfer*innen denken ebenso. Das Prinzip „Eine Hand wäscht die andere“ legen sie vielleicht nicht so großzügig aus wie du, sondern erwarten automatisch, dass sie zeitnah auch von dir Hilfe bekommen. Daraus entsteht eine Art Machtgefälle. Wenn dein Gegenüber erkennen lässt, dass er oder sie einen Austausch für die geleistete Hilfe verlangt, gerätst du in Zugzwang und hast plötzlich noch mehr Verpflichtungen – was du ja eigentlich gerade vermeiden wolltest!

Empathielose Helfer*innen

Leider kommt es auch vor – zum Glück sehr selten – , dass Helfer*innen mit dir nicht besonders feinfühlig umgehen. Sie kommen zwar zum Helfen, lassen aber Bemerkungen fallen, die dich verletzen. „Na schau, so schlimm ist es doch gar nicht, jetzt schläft der Kleine schon zwei Stunden!“, „Reiß dich mal zusammen und streng dich mehr an, dann bekommst du das auch alleine hin!“ – Sätze wie diese treffen tief, obwohl sie vielleicht sogar gut gemeint sind. Menschen, die deine Probleme herabwürdigen, dich zu Dingen überreden wollen, die du nicht möchtest, dich vielleicht sogar beschimpfen oder blamieren brauchst du nicht in deinem Leben. Wir hoffen, dass du diese Erfahrung noch nicht machen musstest!

Es ist wichtig, dass du unerwünschte Hilfe ablehnst. Selbst, wenn sie „nur“ nervig ist und euch im Alltag stört. Oftmals generiert sie aber Scham und Schuldgefühle auf deiner Seite, die überhaupt nicht notwendig sind, und kratzt an deinem Selbstwert. Lass das nicht zu.

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2 Responses
  1. Bei unerwünschter Hilfe sollte man die Person manchmal einfach in die Schranken weisen. Man muss sie ja nicht annehmen. Die meisten verstehen das auch.

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