Schadstoffe und schlechtes Gewissen - Teil II

Schadstoffe und schlechtes Gewissen - Teil II

Kleidung & Spielsachen

Im ersten Teil unserer Reihe zum Thema „Schadstoffe und schlechtes Gewissen“ haben wir uns schon ausführlicher mit unseren Lebensmitteln beschäftigt und dir geraten, auf Expert*innen zu vertrauen. Gerade zum Thema Babynahrung findest du weitere Hinweise auch in unserem Buch „Täglich grüßt das Schuldgefühl“. Jetzt soll es um Kleidung und Spielsachen gehen, die ja immer wieder im Fokus stehen, wenn es um Schadstoffe geht.

Nachhaltige Kleidung

Vorweg: Auch hierfür gibt es spezielle Siegel und Zertifikate, die den meisten von uns aber wahrscheinlich nicht so bekannt sein dürften, wie die aus dem Lebensmittelbereich. Eine Übersicht findest du beispielsweise hier:

https://www.fairknallt.de/facts/zertifikate/

Ob du dir nachhaltige Mode leisten willst oder kannst, ist allein deine Entscheidung und hängt mit deinen Werten und deinen finanziellen Voraussetzungen zusammen. Bei Kinderkleidung stellt sich dir die Frage vielleicht noch einmal besonders, weil die Kleinen so schnell wachsen, dass du hier quasi monatlich neue Kaufentscheidungen fällen musst.

Wenn es sich für dich gut anfühlt, dann ist Second Hand eine wunderbare Möglichkeit, gleich drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen:

Gebrauchte Kinderkleidung ist

  • günstiger
  • nachhaltiger
  • schadstofffreier

– denn je mehr Waschgänge, desto weniger schädliche Substanzen bleiben übrig. Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten, an Second-Hand-Klamotten für Kinder zu kommen: Basare vor Ort, Tausch- und Verkaufsbörsen im Netz, private Kontakte und sogar Unternehmen, die Kleidung zum Leihen anbieten.

Achte auf deine Ressourcen

Das ist aber, wir geben es zu, in manchen Fällen auch mit mehr Aufwand verbunden, als schnell ein paar neue Socken im Discounter mitzunehmen oder bei einem der großen Modekaufhäuser zu bestellen. Was eben genauso okay ist, denn:

ES IST EINE FRAGE VON PRIORITÄTEN UND RESSOURCEN

Deine Ressourcen sind nicht immer gleich groß und gleichmäßig abrufbar. Dein Leben ist im Wandel, es gibt Phasen in deinem Leben, die sind kräftezehrender und lassen nur Raum für das Nötigste; in anderen Zeiten hast du mehr Energie übrig. Deshalb ist es völlig in Ordnung, wenn du mal mehr und mal weniger nachhaltig lebst.

Marie Nasemann, Bloggerin, Model, Fair Fashion Influencerin und Zweifachmama beschreibt in ihrem Buch „Fairknallt. Mein grüner Kompromiss“ (Ullstein, 2021), wie sehr auch sie in Sachen Nachhaltigkeit nachlässiger wurde und werden musste, als ihr erstes Kind geboren wurde. Viele gute Gewohnheiten, wie möglichst plastikfrei zu leben, hat sie für eine Zeit lang aufgegeben, weil die Umstände so neu und herausfordernd waren, dass anderes gerade Priorität hatte. Sie musste sich im neuen Alltag mit Baby zurechtzufinden. Nach und nach, als sie sich eingegroovt hatten, konnten sie als Familie alte Gewohnheiten wieder aufnehmen und neue etablieren.

Deine Prioritäten sind also im Wandel – und das ist völlig in Ordnung.

Schadstoffe im Spielzeug?

Bei Spielzeug ist es im Grunde das Gleiche: Legst du Wert auf ökologische und nachhaltige Produkte findest du eine Menge Siegel, an denen du dich orientieren kannst. Zum Beispiel bei Ökotest:

https://www.oekotest.de/kinder-familie/Gutes-Spielzeug-Diesen-Guetezeichen-Siegeln-koennen-Sie-vertrauen_105597_1.html

Gleichzeitig ist auch hier gebrauchtes Plastikspielzeug vielleicht sogar „besser“, als neue Öko-Holzklötze. Zudem wird all unser Spielzeug gut kontrolliert, unterliegt ebenfalls diversen Schadstoffgrenzen und stellt keine akute Gefahr für dein Kind dar. Du darfst auch hier den Expert*innen vertrauen, weil du nicht bei allem im Leben deines Kindes umfassend selbst recherchieren kannst und musst.

Nachhaltigkeit ist ein Privileg

Und zum Abschluss möchten wir noch einmal darauf hinweisen: Nachhaltig zu konsumieren ist leider immer noch ein Privileg, das in vielen Fällen vom eigenen Geldbeutel abhängt. Hab kein schlechtes Gewissen, wenn dir das nicht in dem Umfang möglich ist, wie du es gerne hättest! Das ist nicht deine Schuld, sondern ein „Fehler“ im System, der sich hoffentlich Stück für Stück erledigt. Natürlich gibt es auch in vielen Fällen preiswerte Alternativen, aber gerade in den aktuellen Zeiten sind auch die nicht immer drin.

Hier findest du Teil III und IV unserer Reihe:

Kosmetika: Weniger ist mehr

Nachhaltigkeit: Kompromisse sind möglich

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