Wie sag ich’s meinem Arzt?

Wie sag ich’s meinem Arzt?

10 Tipps für gute Arztgespräche


Sobald du Mama wirst, sitzt du in der Regel deutlich häufiger im Wartezimmer, als bisher. In der Schwangerschaft in der gynäkologischen Praxis, und sobald das Baby da ist, verbringst du recht viel Zeit bei KinderärztInnen. Meist zu Vorsorgeterminen, oft aber auch wegen diverser Kinderkrankheiten. Der Großteil der Termine ist, sofern du und dein Kind gesund seid, Routine.

Dennoch fällt es, so unsere Erfahrung, vielen Müttern gar nicht so leicht, in Arztgesprächen die Fragen loszuwerden, die ihnen auf dem Herzen liegen. Oder zu dem zu stehen, was sie für die Gesundheit ihres Kindes entschieden haben. Nochmal schwerer wird es, wenn man irgendwann einem Arzt oder einer Ärztin gegenübersitzt und sagt: „Ich kann nicht mehr.“ Deshalb haben wir dir zehn Tipps mitgebracht, mit denen die Kommunikation mit Ärzt*innen und Therapeut*innen für dich zufriedenstellender verlaufen kann.

Keine Götter in Weiß

Viele von uns sind noch mit einer großen Ehrfurcht vor MedizinerInnen groß geworden. Vor allem, wenn das eigene Elternhaus sozial aus einer anderen Ecke kommt. Es ist vollkommen richtig, deinen ÄrztInnen mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen – wie jedem anderen Menschen auch. Aber es ist nicht nötig, Angst zu haben oder sich eingeschüchtert zu fühlen. Trotzdem passiert das vielen von uns noch.

Die Atmosphäre in Praxen und Kliniken tut ihr Übriges, manchmal auch die Fachsprache, die uns nicht geläufig ist, und gelegentlich stimmt einfach die Chemie zwischen Behandelnden und Patienten nicht. Wir alle sind „nur“ Menschen. Im positiven wie im negativen Sinn. Dein Arzt oder deine Ärztin macht ihren Job und der ist es, dir zu helfen. Also darfst du alle Fragen loswerden! Es gibt keine „doofen“ Fragen, wenn es um deine Gesundheit und/oder die deines Kindes geht.


So fühlst du dich in Arztgesprächen sicherer

  • Wende dich an einen Arzt oder eine Ärztin, der oder dem du vertraust

Das ist nicht ganz so einfach, wenn du zum ersten Mal fachärztliche Hilfe in einem bestimmten Gebiet brauchst. Aber wenn du einen Hausarzt oder eine Hausärztin hast, dem oder der du vertraust, ist das sehr viel wert. Er oder sie kann immer dein*e erste*r Ansprechpartner*in sein und auch an KollegInnen weitervermitteln. Die Versorgungslage ist auch im hausärztlichen Bereich nicht optimal. Hier lohnt es sich aber auf jeden Fall, etwas Zeit und Energie in die Suche zu stecken, wenn du dafür für viele Jahre jemanden an deiner Seite hast, der oder die dich und deine (Kranken)geschichte kennt.

  • Bereite dich auf Arztgespräche vor

Beim ersten Mal kommt es dir vielleicht noch komisch vor, Fragen zu notieren, die du auf jeden Fall stellen möchtest. Aber im Termin, wenn vielleicht dein Kind besonders viel Begleitung braucht, wirst du froh sein, auf deine Notizen zurückgreifen zu können. Natürlich können auch während der Untersuchung weitere Fragen auftauchen, aber du hast somit schon mal die grundsätzliche Information, die du dir vom Termin erhofft hast.

  • Hake IMMER nach, wenn dir etwas unklar ist

Allein die Fragen stellen zu können heißt noch nicht, dass du danach auch schlauer bist. Manchmal sind die Antworten sehr vage, oft auch fachsprachlich. Frage sofort nach, wenn dir etwas unklar ist. Auch bei der Behandlung.

  • Lass dir Behandlungen erklären

Lass dir erklären, was gemacht wird. Warum wird Blut abgenommen? Welche Werte? Warum ist dieses Medikament nötig und so weiter. Je besser du informiert bist, desto sicherer wirst du dich fühlen. Und desto sicherer kann auch dein Arzt oder deine Ärztin sein, dass du alles verstanden hast.

  • Nutze die VRANNI-Methode bei Entscheidungen

In der Vorbereitung von Geburten arbeitet man gerne mit der VRANNI-Methode, wenn es darum geht, Entscheidungen über Behandlungen und Interventionen treffen zu müssen. Das klappt auch in anderen Kontexten. Die Fragen der folgenden Grafik helfen dir bei einer Entscheidungsfindung. Die Frage nach Alternativen ist übrigens auch ein super Türöffner, wenn du dich nicht traust, direkt „Nein“ zu einer Behandlung oder Intervention zu sagen.

  • Mitschreiben ist hilfreich

Nicht nur vorher kannst du dir Notizen machen, sondern auch während des Arztgesprächs. Kündige das einfach kurz an: „Ich notiere mir die wichtigsten Punkte, damit ich nichts vergesse.“ Heutzutage kann man sowas schnell ins Handy tippen. Auch Kleinigkeiten, wie die Dosierung eines Medikaments, vergisst du so auf keinen Fall.

  • Lass dich begleiten

Vor manchen Terminen haben wir dennoch einen so großen Respekt, gerade wenn es um kritische Themen geht, dass wir trotz aller Vorbereitung vermuten, unser Anliegen nicht anbringen zu können. Dann nimm dir jemanden mit! Lass dich zu deinem Arztgespräch oder zu der Untersuchung begleiten, wenn du Beistand brauchst und jemanden, der für dich mit zuhört und auch kritisch nachfragen kann.

  • Du hast das Recht auf eine Zweitmeinung

Manchmal bist du dir vielleicht nicht sicher, ob du alle Informationen erhalten hast und alle Alternativen kennst. Ob der Arzt oder die Ärztin den Fall richtig einschätzt. Dann scheue dich nicht, eine zweite Meinung einzuholen. Darauf hast du ein Recht und seriöse Ärzt*innen werden dir das nicht übelnehmen.

  • Arztwechsel sind in Ordnung

Falls du richtig unzufrieden mit deiner Behandlung bist oder die Chemie zwischen dir und der oder dem Behandelnden gar nicht stimmt, dann wechsle den Arzt/die Ärztin, wenn das möglich ist. Ein Verhältnis, bei dem das Vertrauen fehlt, ist keine gute Basis für deine Gesundheit.
Gerade in Therapien hast du zu Beginn immer auch Probesitzungen, weil es dort noch mehr darauf ankommt, dass ihr „miteinander könnt“.

  • Sei ehrlich

Zum Schluss möchten wir dich noch ermuntern, ehrlich zu sein. Verheimliche nicht aus Angst Symptome und gib zu, wenn du dich zum Beispiel nicht an bestimmte Vorgaben zu Medikamenten gehalten hast. Nur dann könnt ihr euch gegenseitig vertrauen und deine Behandlung korrekt weitergeführt werden. Deine Ärzt*innen werden es anerkennen, wenn du dich so öffnest.


Du bist die Expertin für dich und dein Kind

ÄrztInnen haben ein enormes Wissen und Erfahrung und retten uns täglich das Leben. Sie haben Ahnung davon, was uns weiterhelfen kann und welche Behandlungen angebracht sind. Sie wissen, wann Handlungsbedarf besteht. Trotzdem bist und bleibst du die Expertin für dich und dein Kind. Das heißt NICHT, dass wir dir empfehlen, gegen den Rat deines Arztes oder deiner Ärztin zu handeln oder deren/dessen Aussage generell in Zweifel zu ziehen. Kritisches Hinterfragen ist aber nicht verkehrt und oftmals wirst du Entscheidungen treffen müssen, die medizinisch nicht ganz eindeutig sind.

Dann sind deine Meinung und dein Gefühl durchaus relevant. Das ist eine große Verantwortung, aber sieh es auch als Chance, dass du für dich und für euch entscheiden kannst. (Mit deinem Partner oder deiner Partnerin gemeinsam, wenn es um euer Kind geht.) Bleib in Kontakt mit deinen Ärztinnen, frage nach und informiere dich, damit du dich für dich/euch richtige Option wählen kannst. Ist dieser offene Austausch möglich, hadert man hinterher auch deutlich weniger mit der getroffenen Entscheidung.

Gute Arztgespräche trotz Zeitmangel

Unser Gesundheitssystem lässt leider oft wenig Zeit, für ausführliche Arztgespräche. Wir raten dir aber: Versuche es, bleib dran und fordere ihn zur Not ein. Wir wissen, unter welchem Zeitdruck medizinisches Personal steht. Trotzdem muss für solch Grundlegendes Zeit und Raum sein. Abgesehen von Notfällen und ganz akuten Terminen lassen sich viele Punkte auch in einem weiteren Gespräch klären. Viele Ärztinnen sind auch bereit, dich zum Beispiel bei Fragen zurückzurufen, und generell liegt es ihnen am Herzen, dass ihre Patientinnen sich sicher und informiert fühlen.

Was hilft dir, gute Arztgespräche zu führen? Was macht es dir schwer? Hat dir dieser Artikel geholfen? Lass es uns wissen! ❤️

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2 Responses
  1. Hallo Katharina und danke für diese nützlichen Tipps! Ich hatte immer ein bisschen Angst vor Arztbesuchen, bis ich einen Arzt fand, dem ich voll und ganz vertraue UND bei dem ich mich auch wohlfühle. Das macht einen gewaltigen Unterschied! Daher finde ich Punkt neue deiner Tipps auch so wertvoll!

    LG Elsa

    1. Vielen Dank! Freut mich zu lesen, dass die Tipps auch anderen weiterhelfen.

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