Mental Load

Mental Load

Von der Last des Drankdenkens

Hast du schon einmal von „Mental Load“ gehört? Wahrscheinlich schon. Denn zum Glück wird er immer bekannter. Dabei handelt es sich nicht um ein neues Konzept, sondern um einen Begriff für ein Phänomen, das es schon lange gibt, das aber jetzt endlich ins Bewusstsein rückt: die gedankliche Last, die viele von uns den ganzen Tag mit sich herumschleppen, wenn sie für die Versorgung von Kindern, Hausarbeit, Job und den Alltag zuständig sind.

Dieser Teil der Care-Arbeit ist besonders belastend, weil er deutlich umfangreicher ist, als der sichtbare – und weil er aufgrund dessen oft nicht wertgeschätzt wird. Deshalb ist es wichtig und hilfreich, dass nun in Worte gefasst werden kann, was viele schon lange kennen und womit sie hadern.

Geht es etwas weniger abstrakt?

Das klingt für dich trotzdem noch sehr abstrakt? Dann haben wir hier zwei Beispiele für dich:

Hinter der Aufgabe, mit dem Kind Arzttermine wahrzunehmen steckt folgendes:

Zeitpunkt der Vorsorgeuntersuchungen im Blick haben, Impftermine kennen und sich über Impfempfehlungen informieren und gflls. Entscheidungen treffen, Krankheitszeichen der Kinder erkennen und einschätzen können, Termine vereinbaren und mit dem eigenen Terminkalender abgleichen, evtl. Facharzttermine organisieren, Kind auf schwierige Termine vorbereiten, Themen im Kopf haben, die bei der Vorsorge besprochen werden müssen, Rezepte einlösen, Medikamente geben, U-Hefte und Impfpass verwalten, und so weiter und so fort.

Du bist für die Außer-Haus-Betreuung zuständig? Dann gehört dazu vermutlich:

Betreuungsalternativen recherchieren und die richtige Betreuung auswählen, Zeitpunkt der Betreuung festlegen, Verträge schließen, Kind darauf vorbereiten, Eingewöhnung begleiten, besorgen, was alles dazugehört (Tasche, Hausschuhe, Matschhosen usw), Kind bringen und abholen, Brotzeit vorbereiten, Kommunikation mit den Erzieherinnen und Erziehern, „Hausaufgaben“ begleiten, krankmelden, sicherstellen, dass immer alles dort ist, was das Kind gerade braucht, Geschenke organisieren, Entwicklungsgespräche führen, und, und, und.

In den Beispielen sind auch konkrete Aufgaben genannt – die aber eben auch immer mit weiterem Mental Load verbunden sind. Das Kind auf die Eingewöhnung vorzubereiten heißt zum Beispiel auch, sich zu überlegen: Wie mache ich das am besten? Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Im besten Fall hängt gerade bei diesen umfangreichen Aufgaben der Mental Load NICHT an einer Person. Die Listen sind nämlich mit Sicherheit nicht vollständig und dennoch jetzt schon übervoll.

Wie verteilt man Mental Load gerecht?

Mental Load wird dann zum Problem, wenn er ungleich verteilt ist, vor allem in einer Partnerschaft, vor allem bei Eltern – denn bei denen fällt eine Menge davon an. Wenn du also mit deinem Partner Aufgaben verteilst, dann denkt nicht nur daran, was konkret zu tun ist, inklusive aller Teilaufgaben, sondern auch an die Verantwortung, Denkleistung und Belastung im Hintergrund. Unsere drei liebsten Tipps dazu sind:

Ausführlich und regelmäßig über Mental Load sprechen

Das heißt, setzt euch zusammen hin, nehmt euch Zeit und besprecht einmal, welche Aufgaben für euch als Eltern anfallen und welcher Mental Load dazugehört. Geht dabei ruhig ins Detail und notiert euch alles. Dann könnt ihr Zuständigkeiten verteilen. Das ist eine größere Aufgabe, die euch danach aber hoffentlich stark entlastet. Und dann bleibt dran: Besprecht in regelmäßigen Terminen, ob die Verteilung so noch stimmig ist, ob neue Aufgaben hinzugekommen sind oder sich einige als umfangreicher oder entspannter herausgestellt haben. Bleibt im Dialog.

Bist du alleinerziehend, suche dir Hilfe und Unterstützung, damit du nicht allein alles im Blick haben musst. Lagere Aufgaben aus, zum Beispiel die sportlichen Aktivitäten an den Opa (inklusive organisieren, bringen und abholen) oder den Schuheinkauf an eine Freundin, die Spaß am Shoppen hat. Das ist nicht ganz so einfach und du musst vielleicht gelegentlich über deinen Schatten springen, aber es gibt viele Menschen, die gerne helfen.

Prioritäten setzen

Gleich euren ersten Termin könnt ihr oder kannst du dafür nutzen, rauszuschmeißen, was nicht so wichtig erscheint. Oft haben wir Aufgaben auf unserer Liste stehen, ohne dass sie uns selbst wichtig sind. Wir dekorieren aufwändig, weil „man das so macht“ oder helfen beim Kindergartenfest, weil „es erwartet wird“. Nicht alle Aufgaben, die wir nicht gerne übernehmen, können wir streichen. Aber erstaunlich viele, wenn wir ehrlich sind. Prioritäten können sich natürlich auch im Laufe der Zeit ändern. Dazu sind eure regelmäßigen Besprechungen da oder – wenn du alleinerziehend bist – deine regelmäßige Bestandsaufnahme.

Ressourcen beachten

Jeder hat unterschiedlich viel Energie, Zeit und Kraft für Aufgaben, generell aber auch phasenweise. Hast du dein Kind gerade erst geboren, brauchst du Ruhe und Erholung und kannst im Haushalt weniger übernehmen. Arbeitet einer von euch Voll- und einer Teilzeit, dann wird die Kinderbetreuung nicht genau 50:50 aufgeteilt sein und so weiter. (Bedenkt aber: Lohnarbeit und Carearbeit zählen gleichwertig.) Ist einer von euch krank oder eingeschränkt, nehmt darauf Rücksicht so gut es geht. Ist allen alles zu viel, dann schaut genau, welche Aufgaben und welchen Mental Load ihr (vorübergehend) streichen könnt.

In unserem Buch „Die Klügere gibt ab“ gehen wir auf das Thema Aufgabenteilung und gegenseitige Hilfe in der Partnerschaft noch genauer ein und haben noch ein paar mehr Tipps für dich.

Wenn du dich genauer in das Thema „Mental Load“ einlesen willst, empfehlen wir dir das Buch „Raus aus der Mental Load-Falle. Wie gerechte Arbeitsteilung in der Familie gelingt“ von Patricia Cammarata (Beltz, 2020). Sie zeigt Schritt für Schritt, wie man diese Belastung loswird.  

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One Response
  1. […] nicht zuletzt wegen dem Mental Load, mit der Zeit zum gesundheitlichen Risiko. Wir haben uns den Mental Load im Blogartikel letzte Woche genauer angeschaut, denn dieser unsichtbare Teil der Care-Arbeit ist […]

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