Hilfe, mein Kind schläft nicht...Teil 1

Hilfe, mein Kind schläft nicht...Teil 1

Willkommen zu unserem nächsten elterlichen Dauerbrenner: „Na, schläft deiner schon durch?“ gefolgt von „Sie schläft immer noch (oder nicht) bei euch im Bett?“. Mütterliches Schuldgefühle machen auch vor dem Thema Babyschlaf/Kinderschlaf nicht halt.

Wir alle wissen, dass Schlaf ungemein wichtig ist. Wirst du Mutter, ist dieses Thema ständig präsent. Es beginnt in der Schwangerschaft mit dem etwas ironischen Ratschlag, am besten „vorzuschlafen“, bevor das Kind kommt, und zieht sich durch die gesamte Kindheit. Da jede*r schläft, weiß jede*r auch etwas dazu zu berichten. Etwa dazu, wie man Kinder am besten ins Bett bringt. Mit Ritualen nämlich. Oder mit viel Körperkontakt. Tragend oder singend. Ins eigene Bett oder ins Familienbett. Nein, nicht ins Familienbett, das ist doch gefährlich! Stimmt gar nicht, es ist die Lösung für alle kindlichen Schlafprobleme! Aber auf keinen Fall am Busen einschlafen lassen. Und immer zur gleichen Uhrzeit ins Bett bringen – oder selbst bestimmen lassen. Vielleicht muss dein Kind auch schon unbedingt lernen allein zu schlafen. Oder aber noch länger in den Schlaf begleitet werden. Und schon gewusst: Hörbücher drehen das Kind nochmal auf ODER aber es bringen es zur Ruhe. Man weiß es eigentlich doch nicht so genau. Ironie Ende. 

Wenn viel reingeredet wird und viel Unsicherheit besteht oder entsteht, ist das schlechte Gewissen nicht weit. Gibt es irgendwo mal Schwierigkeiten oder es läuft nicht wie erwartet, liegt schnell der Schluss nahe, du selbst hätte das verursacht, etwas versäumt oder falsch gemacht. Dabei sind in der Regel sogar bereits die Erwartungen fehlerhaft.

Durchschlafen ist ein gutes Beispiel für Erwartungen, die nur schwer oder gar nicht erfüllbar sind. Für dein Baby ist das nächtliche Aufwachen und Trinken essenziell. Die Hirnentwicklung braucht unglaublich viel Energie, was phasenweise zu häufigerem Hunger führen kann. Aber auch in späteren Jahren gibt es noch Faktoren, die das Durchschlafen beeinflussen:

  • Entwicklungssprünge, 
  • Wachstumsschübe, 
  • der Zahndurchbruch, 
  • Krankheiten 
  • und Träume, 

um nur ein paar zu nennen. 

Auch wenn du für gute Rahmenbedingungen rund um Schlaf verantwortlich bist, so ist Schlaf doch wieder etwas Individuelles und Kinder unterscheiden sich, genau wie wir Erwachsenen, hinsichtlich ihres Schlaf- und Sicherheitsbedürfnisses. Sie bevorzugen auch unterschiedliche Schlafumgebungen. Auch das ändert sich mit dem Alter nicht. Manche Menschen schlafen total gern neben jemand anderem, hören diese Person atmen und spüren ihre Wärme. Wieder andere haben zum Beispiel einen sehr leichten Schlaf und fühlen sich bereits von den leisesten Geräuschen und leichtesten Bewegungen gestört. Diese persönlichen Feinheiten sollten Eingang in die Überlegungen zu Familienbett, Beistellbett und Gitterbett finden, das sollte auch deiner inneren Kritikerin klar sein. 

Co-Sleeping

Der zunehmende Einfluss der Evolutionsbiologie auf unsere heutige Sicht kindlicher Bedürfnisse hat das Co-Sleeping wieder zurück in mitteleuropäische Schlafzimmer gebracht. Das gemeinsame Schlafen von Mutter und Kind war lange Zeit ganz normal und ist es in einigen Kulturen immer noch. 
Verschiedenste Ansichten hatten jedoch in den letzten Jahrhunderten zu einer Abkehr von dieser Praxis geführt. Unter anderem wurde angenommen, man könne Babys ans Durchschlafen gewöhnen, wenn man sie einfach nicht beachte, man würde sie vor „Überfütterung“ schützen, wenn man sie nachts einfach nicht stillen oder füttern würde oder man würde ihnen durch ein eigenes Bett und Verzicht auf nächtliches „Verhätscheln“ deutlich machen, dass sie sich der elterlichen Autorität unterzuordnen haben. Unglücklicherweise haben diese Ansichten ihren Weg in Elternratgeber gefunden – einige davon bis heute. Glücklicherweise gab es jedoch schon immer Mütter, die sich dem widersetzt haben, sowie es immer mehr Erkenntnisse und Strömungen gibt, die dieses negative Baby- und Kinderbild übermalen.  
Der Grundgedanke beim Co-Sleeping (ob mit Beistellbett oder im Familienbett) ist, dass es die Bedürfnisse nach Sicherheit und Nähe in der Nacht befriedigt, was mit tieferem und gesünderem Schlaf in Verbindung gebracht wird. Außerdem profitieren stillende Mütter oftmals davon, liegenbleiben und direkt nach dem Stillen weiterschlafen zu können. Dabei ist ihnen das Hormon Prolaktin eine große Hilfe, welches nachts in einer besonders hohen Konzentration vorhanden ist, die Milchproduktion steigert und eine entspannende Wirkung auf die Mutter hat. Aber auch mit Kindern, die ein Fläschchen bekommen, kann das gemeinsame Schlafen hilfreich sein. Wachen die Kinder in der Nacht auf, ist es möglich, dass sie durch die körperliche Nähe zur Mutter (direkter Hautkontakt, Geruch, Atemgeräusche) allein wieder in den Schlaf finden. 

Es gibt also Argumente, die für Co-Sleeping sprechen. Es gibt aber auch Aspekte, reale wie irrtümlich angenommene, die gegen das Zusammenschlafen sprechen. Die irrtümlich angenommenen Nachteile sind „Den kriegst du nie wieder aus dem Bett!“ oder „Sie wird nie lernen, allein zu schlafen!“ Das Gegenteil ist der Fall. Dein Kind fühlt sich wahrgenommen und zufrieden und quartiert sich in der Regel dann selbst aus, wenn es soweit ist. Danach kommt dein Kind meist nur mehr in Entwicklungsphasen und bei besonderen Übergängen und Veränderungen (wie Schuleintritt, Schulwechsel usw.) in dein Bett zurück, wenn es kurzzeitig mehr Sicherheit und Nähe braucht. Die Verknüpfung von Unselbstständigkeit und Familienbett beziehungsweise Co-Sleeping ist ein Fehlschluss.

Zu den ernstzunehmenden Argumenten gegen das Familienbett zählen alle Gefahren fürs Kind, wie zum Beispiel Medikamenteneinnahme eines Elternteils, ein rauchendes Elternteil oder der Plötzliche Kindstod. Da das Wohl des Kindes oberste Priorität der meisten Eltern ist, zu deinen Leitwerten gehört, kann hier die Diskussion schonmal ganz schön hitzig werden. Ob mit anderen Eltern oder mit der inneren Kritikerin ist dabei ganz egal. Schließlich willst du dein Kind nicht bewusst und willentlich in Gefahr bringen! 

Achtest du auf eure Bedürfnisse, gibt es noch einen weiteren Faktor, der womöglich gegen das gemeinsame Schlafen spricht: Die Schlafsituation passt nicht für  euch alle, die Bedürfnisse eines oder mehrerer Familienmitglieder bleiben auf der Strecke. Das kann der Fall sein, wenn du oder dein Partner dadurch sehr schlecht schlafen kann oder wenn eure Beziehung darunter leidet. Was auch immer eure Gründe für eure Schlafkonstellation sind – ob alle zusammen auf einem großen Matratzenlager / in einem großen Familienbett, Mutter mit Baby und Vater allein oder mit dem größeren Geschwisterkind, Mama allein und Papa mit Baby, Mutter und Vater zusammen und Kind im Kinderzimmer, die Eltern im Elternbett und die Geschwister im Geschwisterbett, usw. – ihr trefft die Entscheidung für euch und eure Familie. 

Habt ihr diese Entscheidung mit den nötigen Informationen und mit Blick auf alle Beteiligten getroffen, gibt es keinen Grund für ein schlechtes Gewissen. Abgesehen davon, dass das Nähe- und Sicherheitsbedürfnis nicht bei allen Kindern gleich ausgeprägt ist, gibt es auch noch andere Möglichkeiten, um diese zu befriedigen.  Erfährt dein Kind tagsüber Selbstwirksamkeit, Nähe und Schutz geht es gestärkt in die Nacht. 

Geborgenheit uns Sicherheit entstehen auch durch:

  • das Vermeiden großer Veränderungen in der Schlafumgebung,
  • das zuverlässige Reagieren auf Rufe und Weinen 
  • sowie das Verzichten auf häufiges Umbetten während des Schlafens.

Ist dein Kind bereits etwas älter, gewinnt es Sicherheit dadurch, dass du ihm ermöglichst, selbstständig zu dir zu gelangen, mit einem niedrigen Bett und einem Nachtlicht beispielsweise. Eine wundervolle Möglichkeit, den Übergang ins eigene Bett zu erleichtern, ist ein Bindungsband. Dabei handelt es sich um eine Kordel oder Schnur, die du vom Kinderbett bis zu deinem Bett spannst. Für dein Kind stellt das Band dann eine greifbare Verbindung zwischen euch beiden dar, der es im Fall der Fälle auch bis ins Elternbett folgen kann, wenn es möchte. 

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