Mit Kindern über Trennung sprechen

Mit Kindern über Trennung sprechen

Befragt man Kinder zum Umgang mit der Trennung, geben diese mehrheitlich an, dass über die Trennung und ihre Auswirkungen so gut wie nicht gesprochen wird und wurde. Kinder selbst sprechen das Thema auch nicht an, weil sie ihre Eltern schützen wollen und negative Gefühle vermeiden wollen. Damit sich eine Trennung für dein Kind nicht wie das Zerbrechen der Familie anfühlt, es sich keine Schuldgefühle macht und es Raum für seine Gedanken und Gefühle bekommt, sprich das Thema unbedingt offen an. Du bist in der Verantwortung, den Raum dafür zu schaffen.

Erstens, indem du selbst in den Dialog gehst und zweitens, indem du dich immer wieder als Gesprächspartnerin anbietest. Eine dritte Möglichkeit sind externe Angebote, wie Kinder- und Jugendtherapie oder Gruppenangebote für Trennungs- und Scheidungskinder, die deinem Kind einen neutralen Raum für seine Sorgen bieten.

In guter Beziehung trotz Trennung

Eure Beziehung ist der wichtigste Schutzfaktor, den das Kind in dieser Situation hat. Die psychische Entwicklung eines Kindes hängt nach der Trennung seiner Eltern maßgeblich von einer konstanten Beziehung zu einer Bezugsperson ab. Deine Beziehung schützt das Kind vor eventuellen Scheidungsfolgen. Sie ist EIN Schutzaktor von vielen. Entwicklung ist ein Prozess, der von vielen Dingen beeinflusst wird. Kritische Lebensereignisse (wie die Trennung der Eltern) sind EIN Risikofaktor, neben vielen anderen. Gute Bindungserfahrungen schützen vor negativen Einflüssen und helfen bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben.

Kommunikation in der Krise

Ein wichtiges Mittel zur Bewältigung von Krisen ist Kommunikation. Gleichzeitig stärkt sie eure Bindung. Dabei ist es wichtig, die Sprache achtsam und sorgsam einzusetzen, denn deinen Worten wohnt große Macht inne. Wenn du dich jetzt sorgst, weil du was Doofes über deinen Ex gesagt hast, nimm dich in den Arm, gräme dich nicht und wisse: Du hast jeden Tag aufs Neue die Chance, es anders zu machen. Wenn du das möchtest.                

Weil wir uns sicher sind, dass euch Kommunikation hilft, diese Krise als Familie zu überstehen, haben wir uns hierfür noch eine Expertin ins Boot geholt. Inke Hummel ist Autorin, Pädagogin und Familienbegleiterin und verrät dir, worauf du achten solltest, wenn du mit deinem Kind über eure Trennung sprichst. 

„Wie spreche ich mit meinem Kind über Trennung?“

Expertentipp von Pädagogin Inke Hummel

Das Einfordern alltäglicher Kleinigkeiten kann in Eltern schon ein schlechtes Gewissen auslösen. Eine große Entscheidung wie eine Trennung der Eltern sorgt da in der Regel oftmals für einen richtig dicken Batzen an Schuldgefühlen. Zu mir in die Beratung kommen Mütter und Väter oftmals an dem Punkt, wenn sie vor lauter Sorge um die Kinder noch unentschieden sind, ob sie diesen Schritt wagen sollen.  Oder aber wenn sie ihre Pläne recht klarsehen, doch nicht wissen, wie sie gut mit den Kindern darüber sprechen können. Beides geht mit innerer Unsicherheit einher: Darf ich das?

Ja, du darfst. Nur für die Kinder eine Fassade aufrecht zu erhalten und eventuell sogar stark darunter zu leiden, ist nur auf den ersten Blick gut. Unser Nachwuchs ist nicht doof, sondern spürt solch ein Theater. Dabei brauchen unsere Kinder Bewältigungskraft für alle großen und kleinen Krisen im Leben. Wenn sie dich bzw. beide Elternteile dabei erleben dürfen, wie du oder ihr einen derartigen Einschnitt angeht und meistert, ist das zwar eine Herausforderung, aber eben auch ein gutes Beispiel dafür, aktiv zu sein, statt in einer misslichen Lage zu verharren.

Wenn ein Elternteil mit meiner oder anderer Hilfe herausgefunden hat, dass die Auflösung der Partnerschaft der richtige Weg ist, sich gegen das aufgetauchte schlechte Gewissen stellt und die Trennung vollziehen will, ist die Frage: Wie sagen wir es dem Kind oder den Kindern? Was brauchen sie von uns?

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, sind für mich zwei Perspektiven wichtig: die entwicklungspsychologische und die der Trennungskinder, die inzwischen erwachsen sind und sagen können, was wichtig war und was gefehlt hat. Letzteres sind nach meinen Recherchen die folgenden Bereiche, die du im ersten und allen weiteren Gesprächen beachten solltest:

Aus entwicklungspsychologischer Sicht ist dabei die Frage wichtig: Wo steht das Kind?

Eine Übersicht zur Orientierung:

Baby und KleinkindDein Kind benötigt Sicherheit in körperlicher Nähe und gewohnten Abläufen sowie konkrete Aussagen zu ganz aktuellen Erlebnissen.
KindergartenkindDein Kind kann mit Hilfe von Wochenplänen auch etwas mehr Zeit überblicken und etwas besser Gefühle und Absprachen mit dir gemeinsam in Worte fassen.
GrundschulkindDein Kind kann nun außerdem bestimmte Entscheidungen z.B. über Kinderzimmer- und Termingestaltung mittreffen.
Jugendliche*rDein Teenie kann mehr von Partnerschaft und abkühlenden Gefühlen verstehen und in weitem Rahmen für sich selbst Umgangswünsche aufstellen.

Diese beiden Perspektiven zusammengenommen und auf dein Kind abgestimmt helfen dir, mit deinem Kind im Gespräch und somit in Kontakt zu bleiben. Damit ihr gestärkt aus diesem Lebensabschnitt hervorgeht.


Du möchtest noch mehr darüber erfahren, wie eine Trennung ohne zu viele Schuldgefühle über die Bühne gehen kann? Dann ließ auch nach in unseren Artikeln „Hilfe, wir trennen uns“ und „Gemeinsame Elternschaft nach Trennung“

Mehr zum Thema „schlechtes Gewissen“ findest du außerdem in unserem Buch „Täglich grüßt das Schuldgefühl“.

Und unsere Buchtipps zum Thema Trennung findest du hier.

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